Der Japan-Mini-Rant: Es muss sich erst jemand weh tun…

Alle Welt berichtet über Japan. Verständlich. Das, was dort passiert ist schrecklich. Zumindest für die Menschen. Denn mal nüchtern betrachet, ist so ein Erdbeben ja eine völlig natürliche Sache. Da schiebt die eine Kontinentalplatte gegen die andere und dann kracht’s.

Aber was mich an dem Erdbeben wirklich ärgert – und das mag mich jetzt recht gefühllos und unmenschlich erscheinen lassen – ist, dass in der (verständlichen) Berichterstattung wichtige Sachen in unserem Teil der Welt einfach untergehen. In dem Moment, wo alle Welt über Japan berichtet, wird dieser Fokus der Medien gerne dazu benutzt, unliebsame Entscheidungen zu treffen oder unpopuläre Aktionen durchzuführen, die im Normalfall auf deutlich mehr Aufmerksamkeit und Widerstand stoßen würden.

Ich behaupte mal frech, ohne das Erdbeben und die Folgen wäre in Tschechein die Militärpolizei(!) nicht so einfach mit der Durchsuchung beim Tschechichen Fernsehen durchgekommen (naja, zumindest wurde der Chef suspendiert). Und die Entscheidung des US-Bundesgerichtshofs, dass Twitter die Daten von Wikileaks-Mitgliedern herausgeben muss wäre vermutlich auch nicht so leicht gefallen. Genauso geht die Internet-Blockade in Lybien zur Zeit unter (die Diktatoren suchen sich auch gute Zeitpunkte für sowas aus) und man darf gespannt sein, wie unsere Regierung denn nun gedenkt, die Volksablenkung zu nutzen. Momentan hat sie aber wohl erstmal genug damit zu tun, alle Atomkraftgegner zu beschwichtigen und die paar Kernschmelzen “drüben in Japan” klein zu reden und die kürzlich durchgewunkene Lobbypolitik Laufzeitverlängerung zu verteidigen 1.

So traurig das bei der ganzen Tragödie klingt, bleibt mir nur zu hoffen, dass die Atomkraftspinner bei uns endlich mal aufwachen und merken, was sie da für einen Blödsinn unterstützen. Das Zeug ist extrem gefährlich, es ist keine “saubere Energie”, keiner weiß, was für Langzeitfolgen Atommüll hat oder wo man ihn sicher lagern kann und niemand kann einschätzen, was Mutter Natur morgen vorhat. 2

Japan hat Erfahrung mit Erdbeben, hohe Sicherheitsstandards und entsprechendes Know-How. Die Jungs wissen, wie sie ihre Häuser bauen müssen und wer mal ein Video gesehen hat, wie die Wolkenkratzer das Erdbeben ausgehalten haben, der kann davon nur beeindruckt sein. Bei uns stünde da nichts mehr! Aber selbst die Japaner haben nicht mit einem Erdbeben dieser Stärke gerechnet. 8,9 auf der Richterskala… das ist das 5-fache der Stärke des bisher heftigsten Bebens mit 8,3 3. Tja… und schon haben wir den Salat. Zwei Kerne schmelzen gerade, der dritte fängt wohl auch an, Radioaktivität tritt gerade mehr als genug aus… Hurra, Atomkraft.

tl;dr:

  • Dank Japan können alle Regierungen ordentlich Blödsinn machen, weil’s keiner mitkriegt
  • Atomkraft sucks! Merkt’s endlich! Bis einer weint!

 

/tehK

 

Notes:

  1. …was offensichtlich sogar Vorrang vor Hilfsbekundungen an Japan hat
  2. Sogar bei uns in Deutschland gibt’s Erdbeben: Siehe Biblis oder Neckarwestheim und an Hochwasser- / Flutprobleme muss ich hoffentlich niemanden erinnern. Klar… alles kein Vergleich mit dem, was gerade in Japan passiert, aber es ist nicht so, dass uns die Natur nicht ins Handwerk pfuschen könnte.
  3. Die Richterskala wächst exponentiell, nicht linear

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2 thoughts to “Der Japan-Mini-Rant: Es muss sich erst jemand weh tun…”

  1. Ich habe tatsächlich hab solche Share-Buttons für Facebook, Twitter und Tumblr schon mal gehabt. Da hat sich aber anscheinend ein Bug eingeschlichen. Nach einem Update sind die jetzt wieder da.

    Ich gehe zwar davon aus, dass ich hier auf einen Bot antworte, aber falls ansonsten jemand darüber stolpert, ist er herzlich dazu eingeladen, die Buttons auch zu benutzen 🙂

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