Vive la Résistance! Vive l’internet! – Part 1

 

Ja, die Überschrift ist pathetisch. Stéphane Hessel hat das mit mit dem Titel für seine Streitschrift “Empört euch!” besser gemacht. Auf Empfehlung von Georg Schramm habe ich mir dieses Büchlein mal zu Gemüte geführt und kann es jedem halbwegs politisch interessierten Menschen nur ans Herz legen. Es ist ein Lobgesang auf die Wut und den Zorn der Menschen und ein leidenschaftlicher Aufruf an alle Menschen, sich nicht mit dem Status Quo abzufinden. Dinge, die uns seiner Meinung nach in unserer Zeit etwas abhanden gekommen sind.

Im Gegensatz zu einigen Rezensenten glaube ich nicht, dass Hessel hier nur “übliche Politphrasen” aufzählt. Er nimmt nur einfach seine eigenen Motive als Beispiel, um sie dem Leser an die Hand zu geben für dessen eigene Suche. Das kommt uns nur alles so bekannt und “banal” vor, weil das seit über 60 Jahren immer das selbe ist: Die Palästina-Frage, die Spaltung der Gesellschaft in “Arm und Reich”, die Durchsetzung der Menschenrechte… Wir haben diese Punkte schon so oft gehört, dass wir das Gefühl haben, hier nur Wiederholungen zu lesen und dass sich an all diesen Punkten leider nicht wirklich etwas verändert hat.

Im Gegenteil: Wer heute Gründe zur Empörung sucht, dem kann ich gern noch ein paar mitgeben: Die immer stärker werdenden Überwachungsversuche, die Beschränkung von Bürgerrechten, das Ausspionieren und Kriminalisieren der Bürger, die Wirtschafts- und Schuldenkrisen, das Klammern der Politik an die Finanzmärkte, die Machterhaltspolitik und die künstliche Angstmacherei unserer Regierungen, um genau diese Absichten durchzusetzen. Auch Hessel stellt fest, dass nach den Fortschritten des 20. Jahrhunderts, “das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts einen Rückschritt gebracht” 1 hat.

An der Stelle sei Frank Markus Barwassers Figur “Erwin Pelzig” empfohlen, der es ziemlich eloquent geschafft hat, Fragen zusammenzutragen, die uns heute bewegen sollten:


 

Das Buch wurde natürlich nicht nur bejubelt, sondern auch einiger Kritik ausgesetzt. Meiner Meinung nach ist diese teilweise berechtigt, geht aber sehr oft an Hessels Absicht vorbei. Man dürfte leicht erkennen, dass ich die Streitschrift für gut und richtig halte. Hier meldet sich ein alter Diplmoat zu Wort und spricht genau den Menschen Mut zu, die unseren westlichen Regierungen unangenehm sind und die in Stuttgart mit Wasserwerfen und in New York mit Pfefferspray und Tränengas bekämpft werden. Und dass das jemand macht, der noch in der Résistance gekämpft und sich im 20. Jahrhundert als Diplomat große Verdienste errungen hat, kann nur Mut machen.

Ein Satz in diesem Buch ist mir jedoch besonders aufgefallen:

Wir rufen auf, zu “einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum. 2

to be continued… mit dem Grund, warum mir der Satz so nicht gefällt.

 

/tehK

 

Notes:

  1. Hessel, Stéphane: Empört euch! Ullstein Bucheverlage, 2011, S. 20
  2. Hessel, Stéphane: Empört euch! Ullstein Bucheverlage, 2011, S. 21

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