Project “Ivan V” – Silent Gaming PC

 

Es war ein nasser, kalter Tag im April. Der Regen prasselte auf die Straßen, die Blätter eines kleinen Ventilators unter meinem Schreibtisch rauchten leise. Flackerndes Neonlicht schien durch die Ritzen der klapprigen Jalousie an meinem Fenster. Noch einmal lies ich die vergangene Nacht vor meinem inneren Auge vorüberziehen, während ich mir einen Scotch einschenkte. Meine Ausrüstung, auf die ich so lange vertraut hatte, hatte versagt.

Noir

 

Die Zeit schien gekommen und Abschied war das einzige, was mir noch übrig blieb. In einem Zug kippte ich den Rest meines Whiskys hinunter. Die Entscheidung war gefallen. Ich wusste: Ich brauchte einen Plan und ich brauchte die passende Crew. Alles Spezialisten auf ihrem Gebiet. Die Vorbereitung konnte beginnen. 1

 

1. Der Plan

Geplant war ein aktueller Spiele-PC, der vor allem auf “Silent” getrimmt werden sollte, ohne dafür auf allzuviel Leistung verzichten zu müssen. Dafür stand ein Budget von 1000€ (plusminus 10%) zur Verfügung.

 

The Plan
The Plan

Was CPU und Mainboard angeht, wurden passenderweise gerade im Mai die Ivy Bridge Chipsätze veröffentlicht, die in der neuen 22nm Architektur gefertigt werden und PCIe 3.0 unterstützen. Überraschenderweise waren diese nicht teurer, als die bisherigen Sandy Bridge CPUs. Overclocking und SLI hatten zwar keine Priorität, sollten aber eine Option bleiben. Die Wahl fiel also recht schnell auf den Z77 Chipsatz und den i5 3570K.

Bei der Graphikkarte nahm ich dagegen einige Abstriche in Kauf. Zum einen wurde meine bisherige GTX 260 bisher nur von genau einem Spiel (The Witcher 2) an ihre Grenzen gebracht. Eine Karte im Bereich 150€ – 200€ würde also auf jeden Fall besser sein und genug Leistung für alle aktuellen Titel liefern. Obwohl in dem Bereich ATI die besseren Testergebnisse erzielt, blieb ich wegen meiner guten Erfahrungen mit den Treibern bei Nvidia.

Um den Rechner “Silent” zu bekommen, achtet man normalerweise als erstes auf das Netzteil, den CPU Kühler und die Lüfter. Zusätzlich wollte ich aber auch ein gedämmtes Gehäuse in Betracht ziehen. Corsair veröffentlichte erst dieses Jahr ihren neuen Midi Tower 550D aus der Obsidian Serie und stieg damit in den Silent-Bereich ein. Ebenso frisch erschienen war der CPU Kühler, bei dem ich mich für den Alpenföhn Matterhorn in der neu erschienenen Shamrock Edition enschied. Für beide Komponenten gab es bislang wenig Erfahrungsberichte, aber die Tests filene jeweils so gut aus, dass ich das Risiko eingehen wollte. Jajaja, beim Matterhorn hat die Optik schon auch eine Rolle gespielt – er ist GRÜN!

2. Die Crew

The Crew
The Crew

Einkaufsliste

  • CPU: i5 3570k, 4x 3,4 GHz (Ivy Bridge)
  • Mainboard: Gigabyte GA-Z77X-D3H (Ivy Bridge Z77)
  • RAM: 2x Corsair Vengeance Low Profile 4GB CL7-8-8-24 (DDR3-1600)
  • GFX: Gigabyte GeForce GTX 560 Ti OC, 1GB GDDR5
  • SSD: Samsung SSD 830 Series 128GB, 2.5″, SATA 6Gb/s
  • HDD: Western Digital Caviar Black 1000GB, SATA 6Gb/s (WD1002FAEX)
  • PSU: be quiet! Straight Power E9 CM 480W
  • CPU Cooler: EKL Alpenföhn Matterhorn Shamrock Edition
  • Case: Corsair Obsidian Series 550D
  • Fans:
    • 2x be quiet! Silent Wings 2, 140mm, 1000rpm, 102.6m³/h, 15.8dB(A)
    • 2x Noiseblocker NB-BlackSilentPRO PL-1, 120mm, 900rpm, 68m³/h, 11dB(A)
  • Wärmeleitpaste: Thermalright Chill Factor3

3. Die Durchführung

Basis des ganzen Systems ist natürlich das Gehäuse und das musste erstmal entsprechend zerlegt werden. Corsair hat für die Seitenteile keine Schrauben verwendet, sondern ein einfaches Clip-System. Sehr leichtes und gutes handling. Allerdings gab es für mich etwas mehr zu tun. Ich wollte die zwei Lüfter an der Front durch meine beiden 120mm Lüfter von Noiseblocker ersetzen und statt des 120mm Lüfters hinten einen 140mm von bequiet! einsetzen. Dazu mussten die beiden Festplattenkäfige entfernt werden, was dank Thumbscrews sehr leicht von der Hand ging. Um den Luftstrom zu verbessern, werde ich den oberen Cage auch komplett rauslassen. Wie es sich für ein Silent-Gehäuse gehört, waren alle Löcher für die Lüfterschrauben bereits mit Gummi entkoppelt.

cage removal
Upper HDD cage got removed

Das Mainboard und die CPU waren ganz normal zu montieren. Keine Probleme, absoluter Standard. Beim CPU-Kühler tat ich mir da deutlich schwerer – das lag aber nicht mal an der Montage selbst, sondern an der unzureichenden Anleitung, anhand derer man nur schwer erkennen kann, welche der mitgelieferten Teile man denn jetzt in welcher Reihenfolge braucht. Die Wing Boosts nehmen zwar ordentlich Platz weg, aber da ich bewusst die “low profile” Variante von Corsair’s Vengeance RAM genommen hatte, hatte ich keine Probleme, die Slots zu bestücken.

Cooler back and front
EKL Alpenföhn Matterhorn Shamrock Edition

Der Platz für das Netzteil war ebenfalls bereits mit Gumminoppen versehen, so dass das Netzteil entkoppelt ist und nicht Metall auf Metall liegt. Das E9 480W von bequiet habe ich auch bewusst wegen dem Kabelmanagement genommen. Außer dem 24-Pin ATX-Stecker sind alle Kabel optional ansteckbar. Lustigerweise dachte ich anfangs, ich brauch irgendwas um die 600 Watt, aber wenn man das Netzteil eine entsprechende Effizienz bietet, ist das wirklich unnötig. PSU-Rechner, wie dieser hier helfen da bei der Berechnung. Bei überdimensionierten Netzteilen sinkt die Effizienz im Idle Mode, wenn nicht genug Watt abverlangt werden und man läuft so Gefahr, unnötig Strom zu verbrauchen.

Problematisch waren jedoch die Kabel. Das 4-Pin 12V-Kabel für’s Mainboar war eigentlich zu kurz, um es durch die (wirklich guten) Gummidurchführungen hinter der Backplate vorbei zu legen. Ich musste mir dann so behelfen, dass ich erst das Kabel befestigt und dann das Netzteil an seinen Platz gedrückt und verschraubt habe. Eine Verlängerung muss da wohl noch her. Die Kabel der anderen Anschlüsse am Gehäuse (Front-IO-Panel) war aber kein Problem – hier wurde nicht an der Kabellänge gespart.

PSU
Gumminoppen im Gehäuse und bequiet E9 480W

Das Einsetzen der Graphikkarte, des Blu-Ray Players und der Festplatten stellte keine Probleme dar. Die 3,5″-Platte lies sich besonders leicht und werkzeuglos auf die Einschübe im HDD Käfig aufsetzen. Dummerweise war die gelieferte Caviar Black von Western Digital defekt. Schon beim Starten verursachte sie schleifende Geräusche und sie wurde werde im neuen, noch in meinem alten Mainboard vom BIOS erkannt. Damit war der Rechner dann fertig aufgebaut und bereit für die OS-Installation und den ersten Testlauf.

Fertig aufgebautes System

Testlauf

Bei den Latency-Werten der RAM-Bausteine musste ich manuell im UEFI / BIOS nachhelfen und die Performance-Optimierungen vom Samsung SSD Magician scheinen bei der 830er wirklich noch ordentlich was rausgekitzelt zu haben. Da fehlt mir noch ein seriöser(er) Test, aber im Windows eigenen Index kletterte die Festplatte danach um satte 2 Punkte auf den Maximalwert.

Im Prime95-Durchlauf war das mit Abstand lauteste am Rechner war (wie zu erwarten) die Graphikkarte. Ansonsten höre ich auch auf 100% CPU-Last absolut nichts – und dabei habe ich das Gehäuse noch offen. Ich bin auch wirklich begeistert vom Matterhorn Shamrock. Nicht nur waren die Wing Boosts sehr leise, selbst nach 30 Minuten Prime95 kamen die Kerne auf max. 55° C. Damit sind auf jeden Fall beste Voraussetzungen gegeben, um den CPU Multiplier ein bißchen nach oben zu drehen. 4GHz pro Kern sollten locker drin sein.

Testing mit Prime95 😉

Bisher bin ich jedenfalls sehr glücklich mit dem neuen Rechner. Er läuft schnell, kühl und leise. Das Gehäuse glänzt mit vielen kleinen Extras, einem durchdachten Aufbau und guten Silent-Elementen. Wenn jetzt der WD-Kundenservice noch mitspielt und ich eine funktionierende HDD bekomme, kann ich endlich komplett umziehen und auch die tatsächliche Gaming-Performance bewundern. Da bin ich dann wirklich mal gespannt drauf, aber ich sehe dem ganzen (wie immer) positiv entgegen Die nächsten 2-3 Jahre habe ich dann wieder keine Ahnung von Hardware, aber so lange sollte er halten 😉

Die 5 Wochen Vorbereitung haben sich aber meiner Meinung nach jetzt schon bezahlt gemacht. Und Spass war’s dazu.

 

Cheers,

 

/tehK

 

 

Alle Fotos vom Aufbau (ohne besondere Reihenfolge): Gallerie PC 2012 (größere Bilder)



 

Notes:

  1. need more film noir writing skills

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